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| Adam und Eva | ||
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Adam und Eva, 1504 Stichel, 250 x 190 mm Monogramm oben links mit der Unterschrift Albert(us) Dürer Noricus faciebat 1504. Sammlung Remondinii, Nr. 346.5342 Bassano. Städtisches Museum | ||
Mit dem Stich Adam und Eva, auch bekannt als Erbsünde, erreicht Dürer eines der höchsten
Ergebnisse seiner hartnäckigen Forschung über die Proportionen des menschlichen Körpers,
indem er zwei Modelle klassischer Schönheit darstellt, die beispielhaft sind im Gleichgewicht der
Haltung und in der Vollkommenheit der Proportionen. Die beiden Akte, die auf die gleiche
Ebene gestellt sind, heben sich vor einem dunklen Hintergrund eines dichten, von Pflanzen und
Tieren angefüllten Waldes ab. Offenbar will Dürer das Erhabene der Begrenzung unserer
Existenz gegenüberstellen, obwohl alle abgebildeten Tiere einen symbolischen Wert haben. In
dem Stich erscheinen Adam und Eva nicht als die Sünder wie in der flämischen Malerei, sondern
als zwei Menschen, die sich ihrer Würde bewußt sind. Offenkundig ist der Bezug auf Modelle
der klassischen Bildhauerkunst. Die Figur des Adam verweist auf den Apollo del Belvedere, der
gegen Ende des 15. Jahrhunderts bei einer Ausgrabung in Rom gefunden wurde und von dem
Dürer Nachbildungen kannte. Bei der Figur Evas könnte man vermuten, daß Dürer die Kenntnis
über ein antikes Modell hatte wie der der medicäischen Venus, auch wenn der unmittelbare
Bezug auf ein klassisches Exemplar weniger deutlich ist als bei Adam. In der Pierpont Morgan
Library in New York wird eine Zeichnung der beiden Figuren aufbewahrt. Eine Studie der
Felsen, des Armes und der Hand Adams befindet sich im Britischen Museum in London, wo es
auch ein Blatt mit dem Elch und dem Kaninchen gibt. Eine besonders dichte allegorische Bedeutung haben die im Stich dargestellten Pflanzen und Tiere, deren Bedeutung den Zeitgenossen des Künstlers sicherlich eindeutig waren. Adam drückt mit der rechten Hand den Zweig einer Eberesche, dem Baum des Lebens, in Gegenüberstellung mit dem Apfelbaum, um den sich die Schlange windet, dem Symbol der Sünde. Der Papagei symbolisiert Maria, die zweite Eva, die frei von der Erbsünde geblieben ist. Die Ziege auf dem Felsen im Hintergrund stellt das Auge Gottes dar, das alles von oben sieht. Die Auswahl der anderen Tiere ist gewiß auch nicht zufällig. Laut der von Panofsky empfohlenen ikonographischen Deutung würden der Ochse, der Elch, das Kaninchen und die Katze die vier menschlichen "Wesenszüge" oder "Temperamente", also der Phlegmatiker, der Melancholiker, der Sanguiniker und der Choleriker, die nach der scholastischen Doktrin das Gleichgewicht des menschlichen Gemüts zerbrochen haben durch die Erbsünde. In dem Antagonismus zwischen der Katze und der Maus im Vordergrund hat man schließlich ein Echo der Spannung zwischen Mann und Frau - dargestellt in dem Urpaar - sehen wollen. Daß Dürer viel Wert auf diesen Stich gelegt haben muß, wird durch seine Signatur - vollständig wie in seinen Gemälden - bewiesen: ALBERT(US) DURER NORICUS FACIEBAT liest man auf dem Schild, das an dem Zweig der Eberesche hängt. Zum ersten Mal verwendet Dürer eine Inschrift in Latein, was Panofsky als eine Art Tribut und Herausforderung gegenüber Antonio Pollaiolo betrachtet, dem wesentlichen Bezugspunkt für den Künstler aus Nürnberg. Im Jahr 1507 nimmt Dürer das Thema der Stammeltern in zwei Tafeln wieder auf, die sich heute im Museum Prado befinden P.G.
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