Die brasilianische künstlerin VERA GOULART (1954), in ihrer wahlheimat Schweiz noch relativ unbekannt , schafft ein suggestives werk zwischen traum und albtraum, in dem sich die ganz realen schrecken des menschseins spiegeln.
Das werk vera goularts läst an märchen - inszenierungen denken. Der begriff märchen dabei einmal nicht verstanden im sinne jener für kinder aufbereiteten, etwas wunderlichen aber weitgehend harmlosen gutenachtgeschten, sondern in der ursprünglicheren bedeutung archaischer , symbolbeladener , zauberischer , aber oft auch grausam verstörender , volkstümlicher erzählungen . berückendes und bedrückendes mischen sich in installationen wie dem " chinesischen bischof "
2001/ 2002..... auf einem rollbrett kauert die nahezu lebens grosse figur des bischofs , in sich zusammen - gesunken wie einer, dem schweres leid auf den schultern lastet . auf der langen , pompösen perlenbestickten schleppe des bischofs , die den eindruck einer ein -mann -prozession entstehen lässt , krümmt sich eine unzufriedene , angetan mit dem mundschutz einer allumfassenden angst vor dieser welt mit ihren kriegen und katastrophen und dem unermüdlichen fluss der schreckensnachrichten , der aus allen medien strömt . wunderlich und eindrucksvoll ist dieses ganz in reinem weiss gstaltete szenario , das nicht von ungefähr an bühnendekorationen erinnert . vera goulart , geboren in rio de janeiro , ist nicht nur bildende künstlerin . sie tritt auch als performerin auf , hat bühnenbilder und kostüme entworfen und in den neunziger jahren in brasilien theater - aufführungen realisiert . seit einigen jahren lebt und arbeitetet sie in worb in der nahe von bern.in ihren arbeiten ist die nähe zum theater stets spürbar ; ebenso ein starker surrealistischer einfluss .als konzeptionell , aber instintiv beschreibt goulart selbst ihren arbeits-prozess . sehr persönliches steckt oft in ihren werken , die zugleich von grossen menschheitsthemen sprechen . Die "buchschneiderin ", 1998-
,etwa , eine nahezu lebengrosse figur aus weissem stoff , die an einer kindernähmaschine sitzt und eine schier endlose kette bedruckter seiten unter ihrer nadel hindurchlaufen lässt, ist als hommage an den vater der künstlerin , den brasilianischen autor zeluiz gular zu verstehen . die oben genannte grotesk- traurige figur des bischofs hingegen ist symbol einer vergeblichen sehnsucht nach innerem und äusserem frieden . der einarmige "stierkämpfer in den ferien " , 2004.......der müde zwischen rotverschmierten flaschen steht , die das von ihm vergossene blut dartellen wie auch ein trinkgelage des vergessens , symbolisiert gewalt und angst . ermüdend wirken diese probleme oft , wenn sie gut gemeint didaktisch verpackt daherkommen . doch goulart übersetzt ihre themen in die suggestive bilsprache unruhiger träume , der man sich nicht leicht entziehen kann und die im gedächtnis haften bleibt ..........( TEXT : ALICE HENKES- JORNALIST.... KUNST BULLETIN......ANEE:...2006...exposition galerie artdirekt -BERN
|