Im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen vermoch-
ten die großen künstlerischen Zentren Italiens keinerlei
Anziehungskraft auf Giuseppe Zigaina auszunben.
Bereits 1952, nach verschieden langen Aufenthalten in
Mailand, Rom und Venedig, kehrte der Künstler nach
Cervignano del Friuli, seinem Geburtsort, zurück. Schon
allein daran offenbart sich ein ganz besonderer
Charakterzug Zigainas. Weder die Hektik der Großstadt
und ihr pulsierendes Leben, noch das kulturelle
Uberangebot mit seinen Extravaganzen boten ihm den
für sein künstlerisches Schaffen so wichtigen
Nährboden. Er war sich bewußt, daß nur die Ruhe und
Abgeschiedenheit der Provinz, der unmittelbare Kontakt
zur Landschaft und Natur seiner unmittelbaren Heimat,
in ihm die kreative Potenz, die er zum Malen und
Zeichnen benötigte, aktivieren könne. Hier war er
aufgewachsen und hatte bereits als Kind seine ersten
großen Gefühlserlebnisse empfunden. Hier war er zum
ersten Mal der von bisweilen tragischer Magie
durchwobenen friaulischen Landschaft begegnet, die bis
heute ihre tiefen Spuren in ihm hinterlassen hat. Diese
Landschaft und die von ihr ausgehende Faszination, die
der aufwachsende Knabe bei seinen nächtlichen
Radtouren empfunden haben muß, aber auch die
unmittelbar erlebten Schrecken des Zweiten
Weltkrieges haben mit Sicherheit zur Entwicklung des
heutigen tragischen Lebensgefühls, zur Introvertiertheit
und zum Einsamkeitsbedürfnis des Künstlers
beigetragen. Er, auf den das mediterrane Licht und die
Heiterkeit des Mittelmeers keinerlei Anziehungskraft
ausübt, empfindet sein Wesen und seine Art zu Denken
als "nordisch". Künstlergestalten wie Munch, Ibsen.
Strindberg
oder wie die deutschen Expressionisten wie Heckel und
Kirchner sind ihm mit ihrem kagisch-mystischen Empfinden
geistig näher als die Verehrer des auf Harmonie zielenden
"Bello ideale".
Sein "nordisches" Empfinden zeigt sich aber auch in
den graphischen Arbeiten selbst, die sowohl in ihren linearen
Strukturen als auch im Atmosphärischen Merkmale der
süddeutschen Graphik zu Beginn des 16. Jahrhunderts
aufgreifen und verarbeiten.
In diesem Zusammenhang ist vor allem Albrecht Dürer zu
nennen, von dem sich Zigaina immer wieder anregen läßt.
Seine seit den siebziger Jahren entstandenen Radierungen mit
dem Titel "Omaggio a Dürer" (Hommage an Dürer)
zeigen zum Teil direkte motivische Ubernahmen aus Arbeiten
Dürers und künden von den Vorlieben Zigainas. Immer wieder
tauchen Zitate des "Großen Rasenstücks", die Eule aus dem
Stich "Muttergottes mit den vielen Tieren" oder der Schädel
des Todes aus "Ritter, Tod und Teufel" in seinen
Kompositionen auf. Ebenso meint man Einflüsse der
sogenannten "Donauschule", vertreten durch einen Künstler
wie Albrecht Altdorfer, wahrzunehmen.
Um die Künstlerpersönlichkeit Zigainas jedoch richtig
verstehen zu können, ist es notwendig, sich nochmals der
friaulischen Landschaft und seinen Erlebnissen als Kind
zuzuwenden.
Natürlich sind es nicht nur die bereits erwähnten Eindrücke
des Zweiten Weltkriegs gewesen, die sich prägend auf den
Charakter des Heranwachsenden ausgewirkt haben. Es dürfte
vor allem auch die kriegerische Vergangenheit in ihrer
Gesamtheit, die die Erde Friauls überall ver
strömt, gewesen sein, die zum tragischen Lebensgefübl
des Künstlers beigetragen hat. Unzählige Kriege ver
steten von Anbeginn an dieses herrliche Land. Seit Attila,
von dem der junge Zigaina schon sehr früh aus Erzählun-
gen seiner Mutter erfuhr, ereigneten sich hier immer wie-
der ausgedehnte kriegerische Auseinandersetzungen
und Invasionen. Von den Langobarden kam Friaul an die
Karolinger, wurde dann bayrische Mark, geriet an Vene-
dig und gehörte seit dem Ende des 18. Jahrhunderts bis
1866 zu Osterreich, ein Land welches ebenfalls den Cha-
rakter der Bewohner bis heute deutlich bestimmte.
Schließlich ereigneten sich hier die großen Schlachten
des Ersten Weltkriegs zwischen Italien und Österreich.
Die Stätten dieser Ereignisse und der idyllisch wirkende
Friedhof hinter der Kathedrale von Aquileia, die Zigaina
ebenfalls in frühester Jugend mit dem Fahrrad aufzusu-
chen pflegte und wo er seine tiefsten emotionalen Erleb-
nisse empfing, bilden einen Schlüssel zu seinen Arbeiten.
Immer wieder werden in ihnen Gedanken über Tod und
Leben, Bedrohung und Vernichtung neu formuliert. Der
Ursprung dieser alptraumhaften, schwülen Stimmungen
und des Nicht-Greifbaren dürften auf den Schlachtfel-
dern dieser Provinz zu finden sein. Aber auch die reale
Landschaft, oder zumindest Teile von ihr, erhalten ihren
festen Platz innerhalb der Bildgestaltung und verknüpfen
sich zugleich mit Details, die autobiographische Züge ka-
gen. In der Zeichnung " Verso la laguna" (Auf die Lagune
zu, 1982, Seite 27) und dem "Paesaggio con astronave"
(Landschaft mitRaumschiff, 1978, Seite 15) aber natürlich
auch bei vielen anderen Arbeiten, werden zumeist im un-
teren Teil der Kompositionen durch Felder strukturierte
Landschaften erkennbar, die von einer Küstenlinie begrenzt
werden. Es handelt sich dabei immer um die bildwürdig
gewordene Küstenlinie Frianls, in deren Nähe sich der Ort
Cervignano befindet.
Bei den von einem hohen Augenpunkt gesehenen
Landschaften ist wichtig daran zu erinnern, daß Zigaina
einmal das berühmte Gemälde Paolo Uccellos "Die
Schlachtvon San Romano" (Florenz, Uffizien, 1453) als das
Bild seines Lebens bezeichnet hat. Die lineare Auffächerung
der Landschaften findet hier ihre Erklärung. Es können aber
auch Dürers "Nemesis" oder die schon erwähnte
"Muttergottes mit den vielen Tieren" für die
Landschaftsdarstellung Zigainas in Anspruch genommen
werden. Ebenso haben einzelne Bildgegenstände ihre realen
Ursprünge. Beispielsweise taucht in vielen Arbeiten die
Weide in beschnittenem oder aber auch unbeschnittenem
Zustand als fester Bildbestandteil auf "Paesaggio come
anatomia con salice" (Landschaft als Anatomie mit
Weide, 1983, Seite 48) odery "Sui campi
dell'arciduca" (Uber den Feldern des Erzherzogs,
1983, Seite 39).
In dem schon erwähnten, in Mischtechnik (Radierung,
Gouache, Fettkreide) gehaltenen "Paesaggio con
astronave" erahnt man rechts ein Gesicht. Wie in anderen
Bildern, ist dies der zum Symbol des Schweigens, der
Bedrohung und des Unbestimmten gewordene Schädel des
Vaters. Das Urerlebnis des Knaben, der den selten
sprechenden Vater als etwas Mysteriöses empfunden hatte,
wird hier zur Anschauung gebracht. Deutlicher noch setzt
der Künstler diese Erfahrung in Bildern wie "Mio padre
che ascolta" (Mein Vater, der zuhört, 1980, Seite 25), "Mio
Padre l'ariete" (Mein Vater, der Widder, 1981, Seite
28) bildlich um. Der Vater, gleichsam zwischen Tod und Leben
festgehalten, gerät inmitten seiner ihn als Tischler
ausweisenden Werkzeuge zu einer modernen Ikone, deren
Wurzeln in den Freskomalereien des Doms zu Aquileia zu
sehen sind. Auch mit diesen Malereien hatte sich Zigaina
schon sehr früh auseinanderzusetzen begonnen. Die
Monumentalität und Strenge, das Hieratisch-Unpersönliche
im Ausdruck sind das Ergebnis jener bedeutenden Eindrücke.
Auch zunächst banal erscheinende Ereignisse dringen in das
Vokabular des Künstlers ein. Im "L'aereo delle 5" (Das
Fünf-Uhr-Flugzeug, 1983, Seite 42) bezieht sich Zigaina
auf das täglich von Mailand nach Triest fliegende Flugzeug,
das direkt über dem Haus des Künstlers zur Landung ansetzt.
In " Girasoli-Insetto "(Sonnenblumen-lnsekt, 1983,
Seite 40) läßt sich unschwer erkennen, daß er hier
vertrocknete Sonnenblumen zum Vorbild nahm, um ihnen
zugleich Eigenschaften zu verleihen, die an Insekten erinnern,
aber dennoch undefinierbar bleiben. Auch dieses ist, wie
überhaupt bei vielen Bildgegenständen Zigainas, ein immer
wiederkehrendes, stets variiertes Bildmotiv. Schon 1942
verarbeitete der achtzehnjährige Künstler in dem Ölgemälde
"Sonnenblume" gleiche Motive. Ebenso nahmen die
eierlegenden, grausam-bedrohlichen Insekten, wie Fliegen
und Schmetterlinge eine zentrale Stellung in der Motivwahl
Zigainas ein. Uberhaupt wird das Thema des Fliegens
(Insekten, Raumschiff) stets neu formuliert.
Ein wesentliches Merkmal des zigainaschen Schaffens
besteht darin, daß er immer bekannte, vorgegebene Objekte
als Ausgangspunkt für seine Kompositionen auswählt und
sie darüberhinaus auch im Bildzusammen
hang erkennbar läßt. Jedoch in der Art der Präsentation, in
ihrer Verknüpfung und Kontrastierung erhalten, die zumeist
dem Mikrokosmos angehörenden Bildgegenstände nahezu
kosmische Dimensionen, was zum Teil auch durch die
maßstäblichen Veränderungen bewirkt wird. Ein kleiner
Nachtfalter wird zum Todesdämon. Die Anatomie von
Körpermuskulatur verwandelt sich in eine unheimliche
Landschaft. Das allgemein Bekannte und Banale wird deutlich
verfremdet, erhält halluzinatorische Züge und gerät analog
den mittelalterlichen Totentanzdarstellungen zu einer fast
apokalyptischen Vision. Das Ganze erfährt eine zusätzliche
Steigerung durch die faszinierende Behandlung der
Hell-Dunkel-Effekte und die generelle Lichtlosigkeit der
Arbeiten.
Zigaina, der in der Frühzeit seines Schaffens der dem
Realismus folgenden Künstlervereinigung "Fronte Nuovo
delle Arti" auch aus ideologischen Gründen angehört hatte,
konnte sich mit den ideologisch untermauerten
künstlerischen Zielsetzungen jedoch nicht identifizieren. Zwar
wählt er die vorgegebene Realität, in die er häufig einem
Anatom gleich eindringt, als Ausgangspunkt, dennoch war
das Irreale oder Surreale, das Unaussprechliche, das jenseits
des Verbalisierbaren Liegende sein Ziel. Dabei ist diese
Einstellung nicht etwa als eine Abkehr von der Realität
aufzufassen, sondern eher als deren Erweiterung. Das Irreale
und Nicht-Faßbare, die Ängste und Bedrohungen, die Welt
der Phantasie und Vorstellung sind nach Auffassung des
Künstlers ebenso Bestandteil der menschlichen Existenz und
damit der Realität. Das konkrete, rein abbildhaft Dargestellte
besitzt für Zigaina nicht die Fähigkeit Transzendentes
Übergeord
netes zu vermitteln. Es bleibt der Banalität der bloßen
Erscheinungen verhaftet ohne zugleich grundlegende
Aussagen über das Sein machen zu können. Das Sein und
das Anschaubare sind für ihn zwei unterschiedliche Dinge.
Aus diesem Grund bedarf es der poetischen Komponenten
und der allgemeinverständlichen Symbole, der Kontinuation
der Natur ins Unbekannte.
Zigaina, der sich selbst als "realista - espressionista"
bezeichnet, transformiert auf expressionistische Weise das
Reale zu einer Vision und erzeugt dadurch seine
alptraumhaften, magischen Stimmungen. Darüberhinaus
jedoch lassen sich in den Arbeiten auch Symbole erkennen,
die eine lange Tradition besitzen und nahezu
allgemeinverständlicher Art sind. Es sind schnell
dechiffrierbare Bildzeichen, die einem Bereich zuzurechnen
sind, den man als das "kollektive Unbewußte" bezeichnet.
Insekten und insbesondere Fliegen galten schon in den
Kulturen des Fernen Ostens als teuflisch und bedrohlich. Der
Name "Beelzebub" heißt übersetzt ja nichts anderes als "Gott
der Fliegen". Auch im europäischen Mittelalter pflegte man
die Besitzergreifung eines Menschen durch den Teufel durch
ein in den Mund fliegendes Insekt darzustellen. Zigaina greift
hier archaische Vorstellungen erneut auf und paßt sie dem
Vokabular des 20. Jahrhunderts an. Der Schmetterling - in
manchen Bildern Zigainas fast eine Inkarnation eines riesigen
B-52-Bombers galt schon immer als das Symbol der
menschlichen Seele. Psyche wurde seit den Griechen mit
Schmetterlingsflügeln dargestellt.
In diesem Fall - und auch das ist charakteristisch für viele
Bildsymbole Zigainas - erhält der Schmetterling einen
sehr ambivalenten Zug. Immer ist es ein Nachtfalter (farfalla
notturna), er kann aber auch "Todesfalter" (farfalla di morte)
heißen, der seine nichts Gutes verheißenden Eier über der
dunklen Landschaft ablegt. Dieser Acherontia atropos, wie
aber auch die Nacht an sich, sind Symbole des Todes.
Zugleich wird aber auch aus den abgelegten Eiern wieder
neues Leben entstehen. Der Künstler macht mit dieser
Symbolform die enge Verquickung von Phänomenen wie
Tod und Leben anschaulich. In Friaul heißt dieser
Nachtfalter auch Schmetterling der Toten (farfalla dei morti),
der aber zugleich auch wieder zu einem Lebenssymbol
werden kann. So ist etwa auch eine Radierung wie
"Girasoli-Insetto" zu verstehen, wenn aus toten,
abgestorbenen Blumen wieder ein, wenn auch bedrohliches,
Lebewesen wird.
Es ist interessant festzustellen, daß schon ein frühes Bild
von 1942, wo zerfallende Sonnenblumen inmitten von
verrosteten Konservenbüchsen und verfaulten Früchten zu
sehen waren, diese Faszination durch das Bedrohliche
zeigte. Es läßt sich hieran eine das ganze künstlerische
Schaffen bestimmende Konstante ablesen. Dabei sollte man
erwähnen, daß es niemals Zigainas primäres Anliegen war,
eine abstrakte Idee, eine bestimmte Konzeption darzustellen.
Vielmehr betont er, daß ihn, bevor er überhaupt an ein Bild
als Gesamtheit dachte, zunächst immer der Gegenstand
reizte, von dem eine gewisse Magie auszugehen schien und
der darüberhinaus für ihn bestimmte graphische Qualitäten
besaß. Im Vordergrund stand bei Zigaina also stets die
Unmittelbarkeit des gesehenen Gegenstandes, die ihn direkt
zu berühren vermochte. So gewann er in den fünfziger Jahren
den sich durchdringen
den Strukturen von Fahrradspeichen nebeneinandergestellter
Fahrräder hohe expressive Eigenschaften ab. Durch ihn
wurden diese an sich bedeutungslosen Gegenstände zu
symbolhaften, ausdrucksstarken Formen. Heute sind es
Insektenflügel, vertrocknete Sonnenblumen oder anatomische
Strukturen, die eine magische Anziehungskraft auf die große
graphische Begabung Zigainas ausüben.
In den letzten Jahren konnte man in seinen
Zeichnungen und Radierungen immer wieder das Motiv des
über der Landschaft und Lagune schwebenden "Astronave"
(Raumschiff) entdecken, das bei nahezu unveränderter Gestalt
oftmals unterschiedliche Bezeichnungen erfahren hatte.
Letztlich besaß es stets gleichbleibende Funktionen innerhalb
des Bildes. Es ist ein nicht näher definierbares Etwas, ein
Todesbote über der nächtlichen Landschaft. In der Form
bietet es eine seltsame Mischung aus Flugzeug und
organischen, an Hirnstrukturen erinnernden Elementen. Die
Bedeutung des Gegenstandes bleibt auch hier äußerst
ambivalent. Zum einen identifiziert sich der Künstler selbst mit
diesem Objekt. Er knüpft dabei ebenfalls wieder an
Erinnerungen aus der Kindheit an, wo er sich nächtens, wie er
erzählt, auf die noch von der Sonne durchwärmten Heuhaufen
legte, in den Sternenhimmel schaute und sich vorstellte, auf
dem höchsten Punkt der Welt zu sein. Er wollte sie unter sich
spüren. Andererseits jedoch verkörpert dieses Raumschiff
eine heute von uns allen empfundene Bedrohung. Zigainas
Bilder künden von Kollektivängsten einer Welt wo es zwar
auch eine gewisse Hoffnung gibt - aus dem Verwesenden
entsteht in Form der Nachtfalter neues Le
ben -, wo aber der Inkubus stetig zunimmt. Es ist für das Werk
des Künstlers bezeichnend, daß in ihm immer wieder nur
verarbeitet werden, und daß es fast ausschließlich Motive
enthält, die letztlich dem Friaulischen angehören. Ruinen,
Weiden, Nachtfalter und ähnliches sind die Ausgangspunkte
seiner Arbeiten. Deshalb läuft Zigaina nie Gefahr, einer
provinziellen Malerei zu verfallen.
Die Provinz Friaul, von der Ippolito Nievo, der große
italienische Dichter des 19. Jahrhunderts einmal sagte, daß sie
ein kleines Kompendium des Universums darstelle, ist bei
Zigaina der Ausgangspunkt, um Existenzielles,
Allgemeingültiges, uns alle in irgendeiner Weise Betreffendes
auszudrücken. Individuelle Ängste und Erlebnisse spiegeln
das globale, kollektive Lebensgefühl der abendländischen
Gesellschaften.
Nicht durch das Abbilden des Gegebenen, sondern
durch die Sichtbarmachung der verborgenen,
unaussprechlichen Realität (Irrealität?) vermag Zigaina die
individuelle Bestimmtheit allgemeingültig zu formulieren. Er
bedient sich hier gewissermaßen eines Induktionsverfahrens.
Individuelle Erfahrungen, Ängste und Phantasien werden mit
Hilfe bildnerischer Mittel bei Zigaina zu allgemeingültigen,
uns alle betreffenden Aussagen. Dort, wo das in einem
System gefangene verbale Denken Visionäres und
Stimmungshaftes nicht mehr auszudrücken vermag, beginnt
das, was Zigaina als "l'altra faccia del pensiero" ("Die andere
Seite des Denkens") bezeichnet hat. Diese andere Seite des
Denkens ist es, mit deren Hilfe der Künstler Transzendentes
für uns nachvollziehbar macht.